Analytik & Profiling

Ein Mensch ist mehr als sein Verhalten.

Wer Verhalten verstehen will, darf es nicht von der Person und ihrer Situation trennen. Profiling bedeutet für mich, Informationen so zusammenzuführen, dass aus Einzelbeobachtungen ein überprüfbares Bild entsteht – kein Etikett.

Mein Verständnis von Profiling

Nicht Merkmale sammeln. Zusammenhänge erkennen.

In einer Situation kann dasselbe Verhalten sehr unterschiedliche Ursachen haben. Wer nur auffällige Gesten, Ausdrucksweisen oder Reaktionen sammelt, sieht möglicherweise ein Muster, ohne seinen Ursprung zu kennen.

Ein tragfähiges Profil berücksichtigt deshalb nicht nur die beobachtbare Handlung, sondern auch die Frage, was ein Mensch unter den jeweiligen Bedingungen überhaupt tun kann, will und für sinnvoll hält.

Ein Profil ist keine Festlegung auf einen Menschen. Es ist ein vorläufiges Modell, das an neuen Informationen wachsen oder scheitern können muss.
Marcus Boldt · Analytischer Grundsatz

Der Bezugsrahmen

Persönlichkeit erklärt nicht alles.

Verhalten entsteht im Zusammenspiel von Person, Möglichkeiten und konkreter Situation.

01

Wissen, Fähigkeiten, Erfahrung

Welche Möglichkeiten und Fertigkeiten stehen einem Menschen tatsächlich zur Verfügung? Was wird durch Routine erleichtert – oder durch fehlende Erfahrung begrenzt?

02

Motive, Interessen, Ressourcen

Was könnte ein Handeln begünstigen? Welche Absichten lassen sich begründet annehmen, und welche Informationen fehlen dafür noch?

03

Rolle, Umfeld, Beziehungen

Welche Erwartungen, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen ergeben sich aus der konkreten Situation? Wie verändert der Kontext die Bedeutung einer Beobachtung?

04

Aktueller Zustand und Dynamik

Was ist vorübergehend, was möglicherweise stabil? Wie verändern Belastung, Zeitdruck oder neue Informationen ein Verhalten und unsere Einschätzung davon?

Die methodische Grenze

Beobachten ist nicht dasselbe wie wissen.

Ein vermiedener Blick beweist keine Täuschung. Nervosität belegt keine verborgene Absicht. Und eine plausible Geschichte wird nicht dadurch richtig, dass alle Einzelheiten scheinbar dazu passen.

Ich trenne deshalb Beobachtung, Interpretation, Hypothese und Bewertung. Erst dann wird deutlich, was eine Annahme tatsächlich stützt, was gegen sie spricht und welche Informationen gezielt überprüft werden sollten.

01

Wahrnehmen

Welche Informationen sind überprüfbar vorhanden?

02

Einordnen

Welche Rolle spielen Person, Situation und Kontext?

03

Hypothesen bilden

Welche Erklärungen sind denkbar, ohne sie vorschnell festzuschreiben?

04

Überprüfen

Welche neuen Informationen würden die Einschätzung verändern?

Wo Profiling zum Einsatz kommt

Eine Methode. Unterschiedliche Kontexte.

Profiling ist ein eigenständiger Schwerpunkt meiner analytischen Arbeit. Im sicherheitsbezogenen Training kann es Bestandteil von Operational Profiling sein; in anderen Zusammenhängen dient es dem strukturierten Verständnis von Menschen, Verhalten und Entscheidungen. Daraus mache ich keine beliebige Liste von Dienstleistungen.

Eine Beobachtung ist noch keine Erklärung.
Je schwerer eine Entscheidung wiegt, desto wichtiger ist es, den Unterschied zwischen Information und Schlussfolgerung offenzuhalten.

Zum Fachtext „Ein Mensch ist mehr als seine Persönlichkeit“

Meine methodische Arbeitsweise

Profiling beginnt mit einer präzisen Frage.

Für einen fachlichen Austausch, einen Vortrag oder die Entwicklung eines Trainings ist zuerst zu klären, was tatsächlich untersucht oder verstanden werden soll.

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